EU-Taxonomie: Viele Unternehmen unterschätzen den Umsetzungsaufwand

Im Jahr 2020 hat die Europäische Union (EU) die EU-Taxonomie („Taxonomie-Verordnung VO (EU) 2020/852“) veröffentlicht. Mit dem Klassifikationssystem definiert sie „grüne“, also taxonomiekonforme Wirtschaftstätigkeiten. Über sie müssen Unternehmen seit dem 1. Januar 2022 für das Geschäftsjahr 2021 berichten. Berichtspflichtig sind „grüne“ Umsätze, Investitionsausgaben und operative Aufwendungen. Ab 2023 werden diese Kennzahlen auch prüfungspflichtig. Schon jetzt ist klar: Die neue Verordnung ist hochkomplex und Unternehmen müssen sie relativ schnell umsetzen. Das meldet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland.

Das Unternehmen wollte daher wissen: Wie gut wissen die von der EU-Taxonomie betroffenen Unternehmen überhaupt, ob und inwiefern sie unter die Bestimmungen der Verordnung fallen? Ein Kernergebnis lautet: Vier von zehn Unternehmen haben sich im Befragungszeitraum (April bis Ende Juni 2021) noch nicht mit dem Thema inhaltlich auseinandergesetzt – obwohl zehn Prozent von ihnen sagen, dass sie die Bestimmungen der EU-Taxonomie umsetzen müssen. PwC hat für die Studie insgesamt 170 Unternehmen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz befragt.

Ein weiteres zentrales Studienergebnis lautet: Von den 89 Unternehmen, die sich bereits mit der EU-Taxonomie befasst haben, haben erst 44 Prozent genauer ermittelt, welche Wirtschaftstätigkeiten im Delegierten Rechtsakt der EU-Taxonomie definiert sind. Das ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Umsetzung. Nadja Picard, Global Reporting Leader bei PwC Deutschland, sagt: „Vielen Unternehmen ist offensichtlich noch nicht vollumfänglich bewusst, wie komplex die Bestimmungen der EU-Taxonomie sind. Ihre Implementierung ist anspruchsvoll. Wir können nur davor warnen, den Aufwand dafür zu unterschätzen.“ So hatten im Befragungszeitraum erst 28 Prozent der Befragten Umsetzungsprojekte gestartet. Immerhin weitere 19 Prozent hatten dies für die folgenden zwölf Monate geplant. Aber zwölf Prozent gaben an, erst in den kommenden zwei bis drei Jahren mit der Umsetzung starten zu wollen. Picard kommentiert: „Das halte ich angesichts des objektiv hohen Zeitdrucks für sehr riskant – zumal selbst Unternehmen, deren Wirtschaftsaktivitäten aktuell von der EU-Taxonomie nicht erfasst werden, zur Berichterstattung verpflichtet sind.“

Die Befragung ergab darüber hinaus: 52 Prozent der Unternehmen im Scope der EU-Taxonomie sagen, dass sie zur Umsetzung ihre IT- und Prozesslandschaft verändern müssen. Aber nur 21 Prozent haben dies bereits geplant. Bei den meisten Unternehmen (60 Prozent) ist diese Frage noch nicht geklärt. (DFPA/mb1)

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